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Herder und Nietzsche

war er ihm zu ähnlich?

Anmerkungen Nietzsches zu HERDER

Textstellen zu "Herders" aus:

http://www.nietzschesource.org/#eKGWB

  • Krause, der der Nachfolger Herders wurde als Generalsuperintendent von Weimar, und nachherige Gattin des Superintendenten Dr. Ludwig Nietzsche in Eilenburg (meines Großvaters). Mit dankbarem Gruß an Dich und Deine liebe Frau Dein N.
  • Krause in Königsberg nach Weimar berufen wurde als Nachfolger Herders (als Generalsuperintendent des Landes) war Goethes Werk. Lieber Freund, es wird nicht nur gedruckt, bei Naumann, es wird auch gestochen , bei Fritzsch: fühlen Sie den Stich?… Zum Mindesten werden Sie ihn bald sehn.
  • Zu begreifen, wie zu jedem „klassischen“ Geschmack ein Quantum Kälte, Lucidität, Härte hinzugehört: Logik vor allem, Glück in der Geistigkeit, „drei Einheiten“, Concentration — Haß gegen Gefühl, Gemüth, esprit, Haß gegen das Vielfache, Unsichere, Schweifende, Ahnende so gut als gegen das Kurze Spitze Hübsche Gütige Man soll nicht mit künstlerischen Formeln spielen: man soll das Leben umschaffen, daß es sich nachher formuliren muß … Es ist eine heitere Comödie, über die erst jetzt wir lachen lernen, die wir jetzt erst sehen : daß die Zeitgenossen Herders, Winckelmanns, Goethes und Hegels in Anspruch nahmen, das klassische Ideal wieder entdeckt zu haben … Und zu gleicher Zeit Shakespeare! — und dasselbe Geschlecht hatte sich von der klassischen Schule der Franzosen auf schnöde Art losgesagt!
  • Meine Großmutter gehörte zu dem Schiller-Goethe’schen Kreise Weimars; ihr Bruder wurde der Nachfolger Herders in der Stellung des Generalsuperintendenten Weimars. Ich hatte das Glück, Schüler der ehrwürdigen Schulpforta zu sein, aus der so Viele (Klopstock, Fichte, Schlegel, Ranke usw usw), die in der deutschen Litteratur in Betracht kommen, hervorgegangen sind.

Textstellen zu "Herder" aus:

http://www.nietzschesource.org/#eKGWB

  • 2[12] Lessing als der ideale Gelehrte, Herder der ideale Dilettant.
  • 19[233] Goethe konnte Mährchen erzählen, Herder war Prediger. Der Faust ist die einzige nationale Redeentfaltung im Knittelvers.
  • Lessing Winckelmann Hamann Herder. Schiller Goethe. Grillparzer. Schopenhauer. Wagner. Fuchs.
  • Lessing schrieb gemäß dem theatralischen Lustspieldialog. Herder pastoral, Goethe Lust zu fabuliren, frauenhaft. Der „Mangel des Anstößigen“ ist aber in der Zeitungsatmosphäre immer seltener geworden: während das Gefühl für das Anstößige abnimmt.
  • 118. Herder. — Herder ist Alles das nicht, was er von sich wähnen machte (und selber zu wähnen wünschte): kein grosser Denker und Erfinder, kein neuer treibender Fruchtboden mit einer urwaldfrischen unausgenutzten Kraft. 
    Nie wirklich satt und froh, war Herder überdiess allzu häufig krank; da setzte sich bisweilen der Neid an sein Bett, auch die Heuchelei machte ihren Besuch. Etwas Wundes und Unfreies blieb an ihm haften: und mehr als irgend einem unserer sogenannten Classiker geht ihm die einfältige wackere Mannhaftigkeit ab.
  • Klopstock veraltete schon bei Lebzeiten auf eine sehr ehrwürdige Weise: und so gründlich, dass das nachdenkliche Buch seiner späteren Jahre, die Gelehrten-Republik, wohl bis heutigen Tag von Niemandem ernst genommen worden ist. Herder hatte das Unglück, dass seine Schriften immer entweder neu oder veraltet waren; für die feineren und stärkeren Köpfe (wie für Lichtenberg) war zum Beispiel selbst Herder’s Hauptwerk, seine Ideen zur Geschichte der Menschheit, sofort beim Erscheinen etwas Veraltetes.
  • 2[188] daß sich die Geschichte sämmtl<icher> Ph<änomene> der Moralität dermaßen vereinfachen lasse, wie es Schopenhauer glaubte — nämlich so, daß als Wurzel jeder bisherigen moral<ischen> Neigung das Mitleiden wiederzufinden sei — zu diesem Grade von Widersinn und Naivetät konnte nur ein Denker kommen, der von allem historischen Instinkte entblößt war und in der wunderlichsten Weise selbst jener starken Schulung zur Historie, wie sie die Deutschen von Herder bis Hegel durchgemacht haben, entschlüpft war.
  • Krause als Nachfolgers von Herder das Werk Goethe’s. Mit herzlichen Grüßen an Dich und Deine liebe Frau Dein Nietzsche.
  • Krause in Königsberg, wurde, auf Goethes Veranlassung, der Nachfolger Herder’s , als Generalsuperintendent von Weimar. Ad notam für Herrn Archivrath B<urkhart>.
  • Voran bei den Ersten der Welt, bei den „Genies“: man erinnere sich, wie jeder Zeit in Deutschland gegen Goethe angekämpft worden ist (: Klopstock und Herder giengen hierin mit „gutem Beispiel“ voran — Art läßt nicht von Art.)
  • Schon Klopstock hielt ihm eine Sittenpredigt; es gab eine Zeit, wo Herder, wenn er von Goethe sprach, mit Vorliebe das Wort „Priap“ gebrauchte. Selbst der Wilhelm Meister galt nur als Symptom des Niedergangs, als moralisches „Auf-den-Hund-Kommen“. Die „Menagerie von zahmem Vieh“, die „Nichtswürdigkeit“ des Helden darin erzürnte zum Beispiel Niebuhrn: der endlich in eine Klage ausbricht, welche Biterolf hätte absingen können: „Nichts macht leicht einen schmerzlicheren Eindruck, als wenn ein grosser Geist sich seiner Flügel beraubt und seine Virtuosität in etwas weit Geringerem sucht, indem er dem Höheren entsagt “… Vor Allem aber war die höhere Jungfrau empört: alle kleinen Höfe, alle Art „Wartburg“ in Deutschland bekreuzte sich vor Goethe, vor dem „unsauberen Geist“ in Goethe. — Diese Geschichte hat Wagner in Musik gesetzt.

meine Meinung: Die Sache mit dem Großonkel ist von N. ungenau wiedergegeben worden, deutlich gesagt: erstunken und erlogen (publishup.uni-potsdam.de/opus4-ubp/files/906/rahden.pdf) - macht dabei aber einiges deutlich: Nietzsche ist eitel bis zur Lüge und leidet unter an der ihm gegenüber gezeigten Nichtanerkennung - und darin mag ihm Herder als ein Bruder im Leid erschienen sein.

Und dann steht N. sich selbst wieder im Weg: Schon fürchtet er den Vergleich - und setzt den anderen herab.

Klingt das nicht nach Selbst-Portrait:

Herder der ideale Dilettant.

Herder war Prediger.

Herder ist Alles das nicht, was er von sich wähnen machte (und selber zu wähnen wünschte): kein grosser Denker und Erfinder, kein neuer treibender Fruchtboden mit einer urwaldfrischen unausgenutzten Kraft. 
Nie wirklich satt und froh, war Herder überdiess allzu häufig krank; da setzte sich bisweilen der Neid an sein Bett, auch die Heuchelei machte ihren Besuch. Etwas Wundes und Unfreies blieb an ihm haften: und mehr als irgend einem unserer sogenannten Classiker geht ihm die einfältige wackere Mannhaftigkeit ab.

Herder hatte das Unglück, dass seine Schriften immer entweder neu oder veraltet waren; für die feineren und stärkeren Köpfe (wie für Lichtenberg) war zum Beispiel selbst Herder’s Hauptwerk, seine Ideen zur Geschichte der Menschheit, sofort beim Erscheinen etwas Veraltetes.